Wenn Technik Annahmen trifft
Digitale Systeme setzen oft stillschweigend gleiche Sprache, stabile Verbindungen und technische Routine voraus. Wenn diese Annahmen nicht zutreffen, werden kleine Details zu Barrieren. Der Unterschied zwischen funktionierender und einladender Technik: Die eine setzt Gleichheit voraus, die andere rechnet mit Vielfalt.
Viele digitale Systeme funktionieren ganz hervorragend, jedenfalls solange man sich in dem Umfeld bewegt, für das sie eigentlich gedacht waren.
Gleiche Sprache. Ähnliche Geräte. Stabile Internetverbindung. Ein gewisses Maß an einer technischen Routine.
All das wird oft im Stillen vorausgesetzt.
Sobald diese Annahmen nicht mehr stimmen sollten, verändert sich die Erfahrung. Nicht abrupt, sondern schleichend.
Ein Menüpunkt ist unklar. Eine Fehlermeldung bleibt kryptisch. Ein Schritt ist „eigentlich logisch“ , aber nur für diejenigen mit dem Kontext.
Dann fängt Technik an, Grenzen zu setzen. Nicht absichtlich, aber wirksam.
Ich interessiere mich dafür. Wie leicht solche Ausschlüsse entstehen, interessiert mich.
Oftmals sind es nicht die großen Entscheidungen, sondern eher kleine Details:
- eine Sprache, die nicht gewechselt werden darf
- eine Erklärung, die nicht vorhanden ist
- ein Prozess ohne Erlaubnis eines Umwegs
Für viele Leute sind das nur Kleinigkeiten. Für andere sind es Hindernisse.
Gute Technik muss nicht alles bis ins Detail erklären. Aber sie sollte Raum dafür lassen.
Raum für unterschiedliche Erwartungen. Raum für Unsicherheit. Platz für Leute, die Sachen abweichend vom ursprünglichen Zweck verwenden.
Vielleicht liegt hier der Unterschied zwischen funktionierender und einladender Technik. Die eine setzt auf Gleichheit voraus. Die andere rechnet auf Vielfalt.
Technik wird dann besser, wenn sie weniger Dinge annimmt.